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Startseite Referate Hochschulpolitik Ein kleiner Exkurs zum Bologna Prozess
Ein kleiner Exkurs zum Bologna Prozess PDF Drucken E-Mail

Der Bologna-Prozess...

viele denken dabei an die Umstellung (von Diplom und Magister) auf Bachelor und Master. Doch es steckt weitaus mehr dahinter - auch Positives für Studierende.

Wie alles begann...

Es war einmal im Jahre 1999, da fanden sich in einer alten, europäischen Universitätsstadt 29 europäische BildungsministerInnen ein. Dort startete der Bologna-Prozess mit einer Erklärung, einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Erste Ziele waren vergleichbare Studienleistungen europaweit, die Mobilität während und die Qualität des Studiums zu erhöhen. Lissabon- Konvention (1997), Sorbonne-Erklärung (1998) und Lissabon-Strategie (2000) sind als wesentliche Eckpunkte zu nennen. Sie ebneten dem Bologna-Prozess den Weg besonders in Sachen Mobilität und Vergleichbarkeit.

Was heißt das jetzt alles genau?

Der Bologna-Prozess verfolgt drei Hauptziele:
Die Förderung von Mobilität, von internationaler Wettbewerbsfähigkeit und von Beschäftigungsfähigkeit (die sogn. Employability).

Als Unterziele umfasst dies unter anderem:

  • Förderung der Mobilität durch Beseitigung von Mobilitätshemmnissen; gemeint ist nicht nur räumliche Mobilität, sondern auch kulturelle Kompetenzen und Mobilität zwischen Hochschulen und Bildungsgängen,
  • die Schaffung eines zweistufigen Systems von Studienabschlüssen (konsekutive Studiengänge), der Master baut auf dem Bachelor auf,
  • um Abschlüsse verständlicher und vergleichbarer zu machen, muss ein Diplomzusatz mit dem Abschlusszeugnis („Diploma Supplement") mitgegeben werden,
  • die Einführung eines Leistungspunktesystems, des European Credit Transfer System (ECTS), das den tatsächlichen Arbeitsaufwand (workload) eines Moduls wiedergibt. In Deutschland ist ein Workload von 30 CreditPoints pro Semester Durchschnitt. Das entspricht in etwa einer 40-Stunden-Woche,
  • Module sollen Themeneinheiten sinnvoll zusammenschließen und mit einer Prüfung abschließen. Mit den Modulen soll sich das Studium flexibel wie mit einem Baukasten zusammensetzen lassen,
  • Europäischer Hochschulraum: Europa soll als Studienstandort mehr Attraktivität genießen, Forschung und Lehre sollen europaweit besser miteinander verzahnt werden (besonders durch die Einbindung der Promotionsphase in den Bologna-Prozess), die europäische Zusammenarbeit bei der Qualitätsentwicklung muss gefördert werden,
  • Studierende als gleichberechtigte Partner bei Hochschulsteuerungsprozessen durch erwünschtes Mitwirken an allen Entscheidungen auf allen Ebenen,
  • Lernen als lebenslange bzw. lebensbegleitende Aufgabe.

Die soziale Dimension

Ein weiteres Ziel ist die Integration der sozialen Dimension, sie wird als übergreifende Maßnahme verstanden und bildet somit keinen eigenen Schwerpunkt.
Zielvorstellungen lassen sich einfach formulieren, jedoch gestaltet sich ihre Umsetzung um einiges schwieriger. So ist die lange hochgelobte Hochschulreform nun selbst reformbedürftig, noch vor Ende der Zehnjahresfrist.

Im Zuge des Bologna-Prozesses wird der Bachelor als ein reguläres Ausbildungsziel angesehen. Daraus ergeben sich neue Anforderungen für die Hochschule, die Lehrenden und Lernenden, für Bund und Länder. Der Bologna-Prozess verbessert nicht unsere Lehre, sondern soll genutzt werden um mehr Abschlüsse in einer kürzeren Zeit zu erzielen, zu „produzieren".
Um das Studium besser koordinieren zu können, wird der studentische Alltag stärker reguliert. Im eigentlichen Sinne soll dies zu einer verbesserten Selbstdisziplin führen, macht die Einzelne und den Einzelnen jedoch in Wirklichkeit unmündig und „befreit" von einem selbst bestimmten Lernen. Das zusätzliche Fehlen von wissenschaftlichen Mitarbeitern führt zu einem Rückgang des interaktiven Seminars. Die dadurch entstehende Verkürzung und somit auch Verbilligung des Studiums á la Bachelor & Master soll zu einer besseren „Produktion" von Abschlüssen führen.
Größere Arbeitsbelastung für Studis, immens angestiegener Workload, höherer Druck und Anwesenheitslisten sind nur die Spitze des Eisbergs. Die überladenen Studienpläne müssen umgehend auf ein sozial verträgliches und studierbares Maß reduziert werden, damit Wissen auch adäquat verarbeitet werden kann.

Zwischen Bachelor und Master trennt sich dann endgültig die Spreu vom Bildungsweizen.

Der Bachelor vermittelt Grundlagen und befähigt auch durchaus zum Arbeiten auf dem freien Markt. Tatsächliches Know-How und Fähigkeiten erlangen jedoch nur die wenigen Master an die Hand. Laut der Bologna-Verordnung steht jedem Bachelor-Absolventen auch ein Master-Platz zu. In deutschen Bildungslanden ticken die Uhren jedoch anders: Die wenigen Master-Plätze sind hart umkämpft. Hat man einen, stellt sich auch noch einmal die Frage: Wer soll das bezahlen?
Eigentlich sicherte uns die Bologna-Erklärung ein besseres, ausgeglicheneres Betreuungssystem zu, damit Studis nicht auf sich alleine gestellt sind. In Wirklichkeit jedoch sind auch die Profs mit der Masse von Studierenden überlastet.

Ach, und die Mobilität...

das heißgeliebte Ziel. Schon allein ein Hochschulwechsel innerhalb Deutschlands ist aufgrund des Bildungsförderalismus erschwert. Weiter belegen Studien, dass der straffe Bachelor kaum Luft lässt für ein Semester oder Praktikum im Ausland. »Die Modularisierung hat generell zu einer Verdichtung der Lehrpläne geführt. Da gibt es für viele nicht mehr die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen«, sagt Erich Thies, Generalsekretär der Kultusministerkonferenz (KMK).
Die soziale Selektion sollte ja am Besten ganz abgeschafft werden... dies schafft aber keine Hochschulreform so schnell. Erklärtes Ziel ist es, das Studienabschluss in angemessener Zeit ohne Hindernisse der eigenen sozialen und wirtschaftlichen Situation. Trotz allem ist nicht der Bologna Prozess das Problem, sondern die momentane Umsetzung in Deutschland.

Und was ist mit Fulda ...

An der Hochschule Fulda gibt es eine Senatskommission, „Folgen des Bologna-Prozesses". Diese Kommission setzt sich kritisch mit den bisherigen Vorgängen auseinander und blickt optimitisch mit Verbesserungsvorschlägen in die Zukunft. Die Umstellung von damals 8 Diplom-Studiengängen auf 15 Bachelor- und 12 Master-Studiengänge ist in acht Jahren als erste hessische Hochschule vollzogen worden.
Die Hochschule Fulda geht damit bereits einen Schritt in die richtige Richtung, hin zu einem verbesserten Studium, dass Studierenden die Freiheit der Wahl und Qual lässt, hin zu einem selbst bestimmten Lernen und Lehren. Die Zukunft sieht gut aus, wenn alle gemeinsam anpacken und am Studium arbeiten, das bedeutet auch, dass Studis sich einbringen.

Aber ein gutes Studium bedarf bester Studienbedingungen. Deren Optimierung ist ein ständiger Prozess. So war es absehbar, dass eine Reform der Reform nötig wird! Um die Ziele des Bologna Prozesses adäquat umsetzen zu können, wäre ein Umdenken erforderlich. Eine Durchlässigkeit beim Übergang zum Masterstudium, Sicherung von Studierbarkeit und Studienfreiheit sowie alles in allem eine Entschleunigung des Bologna-Prozesses wären erste Verbesserungspunkte.

Wir sind der Meinung: Eine gute Bildung und ein kritischer Geist sind die besten Investitionen in die Zukunft.

 

Eure HoPoReferentin Claire Weiß